Guardsman D-8007-399-033 im Einsatz

Guardsman D-8007-399-033 im Einsatz: Prolog

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Bisher hatte es keine Auffälligkeiten gegeben, schon gar keine Spur irgendeiner Terrorgruppe. So bewegten sich die fünf Männer recht entspannt durch die engen Gassen des Bergviertels. Sie trugen ihre gewohnte Uniform: Einen mattschwarzen Ganzkörperanzug, der vom Hals bis in die schweren schwarzen Stiefel reichte und eng anlag, den Körper gleichzeitig verhüllte und zur Schau stellte. Dazu schwarze Handschuhe, darüber das Koppelsystem mit verschiedenen elektronischen Geräten, Handschellen, Schlagstock, Gürtelcomputer, Taschenlampe und Nadler. Ihre sauber rasierten Schädel hatten die fünf mit schwarzen Baretts bedeckt, die aus dem gleichen gummiartigen Material gefertigt waren wie ihre Uniform.
„Es bringt doch schon was, Präsenz zu zeigen“, meinte einer der Guardsman. Er war etwa 1,80 Meter groß, hatte eine helle, etwas gerötete Haut, da er sich vom guten Wetter vor zwei Tagen einen kleinen Sonnenbrand zugezogen hatte, grüne Augen und selbst für einen Guardsman gut durchtrainiere Oberarmee. Auf der Brust trug er die silberne Nummer D-8007-399-033. „Keine Sachbeschädigung mehr und keine brennenden Autos.“
„Ich wette, die haben ihre alten Karren selbst angezündet, bloß um die Versicherung zu kassieren“, entgegnete sein Kollege mit der Nummer B-8007-399-032. Er war etwas kleiner, hatte ein markantes Kinn und ein Gesicht voller Sommersprossen. „Und wenn wir wirklich Präsenz zeigen sollten, dann hätten wir jetzt unsere Panzeranzüge an, die machen mehr her.“
Die anderen drei Guardsman hielten sich an das Schweigegebot und sagten nichts.
„Die Leute sollen ruhig ein wenig Furcht spüren, wenn sie uns sehen. Das verschafft Respe…“ – sofort nahm 032 eine Abwehrhaltung ein, hatte seine Waffe gezogen und richtete sie auf den Innenhof zu seiner rechten. Es war ein Reflex, der nach jahrelangem Training ohne jedes Nachdenken von selbst ablief.
Nur war die Ursache diesmal völlig harmlos. 033 hatte den Fußball, der ihnen entgegengeflogen war, elegant mit dem Kopf abgefangen und mit dem Fuß gestoppt. Ein Junge und ein Mädchen schauten verschreckt aus dem Innenhof.
033 rückte sich das Barett zurechte und lächelte ihnen zu – ein Lächeln über das ganze Gesichtdessen sympathische Wirkung vom rasierten Schädel noch verstärkt wurde. „Na, ihr seid ja echte Sportskanonen. Oder ist der Ball ein Geschenk für uns?“
Das Mädchen schüttelte kaum merklich den Kopf, der Junge guckte den Guardsman bewundernd an.
„Dann übt mal lieber noch ein bisschen, damit ihr in Zukunft keine Leute mehr trefft, sonst müssen wir euch den noch wegnehmen!“ lachte 033.
„Machen wir nicht, sagte das Mädchen etwas schüchtern und fing den Ball auf. 
Ich hab früher auch immer Fußball gespielt, bevor ich zur Guard bin.“
„Echt?“, staunte der Junge mit dem braunen Wuschelkopf. „Willst du mitspielen?“
„Würde ich gerne. Aber wir passen hier lieber mal auf, dass euch hier nichts passiert.“
Die Kinder verabschiedeten sich fröhlich und liefen zurück in den Innenhof.
032 hatte seine Waffe wieder in ihren Holster gesteckt und wandte sich an A-8007-399-034: „Dein Mann hätte bestimmt auch einen guten Kindergärtner abgegeben, was?“
„Hat halt nicht jeder das Talent zur Vogelscheuche“, scherzte 034 und hatte die Lacher auf seiner Seite. „Außerdem sollen wir das Vertrauen der Leute gewinnen.“
„Jedenfalls habt ihr richtig gehandelt“, lobte 033, „Einer sichert ab, der Andere redet.“
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Gut gelaunt bogen die fünf Guardies um die Ecke. Es schien auf den ersten Blick eine ganz normale Straße zu sein, die vor ihnen lag.
„Merkt ihr das auch?“, fragte 034. Er hatte sich trotz der harten Ausbildung und der fordernden Berufsjahre eine gewisse Feinfühligkeit erhalten, die man einem solchen Muskelpaket nicht zugetraut hätte. 
Alle Männer in der Guard waren außerordentlich gut in Formdafür sorgten das Trainingdie Muskelaufbauprogramme und Medikamente, die für jeden Guardy. Weil ihre Einheit häufig für Patrouillen und Kontrollen eingesetzt wurde, legte man hier besonderen Wert auf eine eindrucksvolle Statur und imposante Oberarme.
„Irgendetwas stimmt hier nicht“, wiederholte 034 und deutete auf das braune Haus. Am Eingang hing ein Zettel: „Tausche seltene Literatur gegen schöne Zimmerpflanzen. Bitte eintreten.“
„Also ich kann sonst nichts Verdächtiges feststellen“, sagte C-0500-878-605, der mit einem Handscanner die Umgebung ausleuchteteWeder zeigte der Display irgendwelche Wärmequellen an, noch meldeten die AnalyseChips verdächtige Spurenelemente, höchstens der Wert für Magnesium war leicht erhöht. „Alles ruhig.“
GUMS, wurden für diese Straße Daten hinterlegt?“, befragte 033 das Guardsman Management System, das sie untereinander und mit der Zentrale vollständig vernetzte.
Ohne Verzögerung meldete sich das System über die Ohrstöpsel der fünfFür das Umfeld liegen keine signifikanten Abweichungen in den Datenbanken vor. Werden weitergehende Analysen oder Rohdaten gewünscht?
033 blickte seine Kollegen fragend an, dann antwortete er: „Nicht nötig, GUMS032, 034 und dieser Guardsman werden das Gebäude selbst betreten und durchsuchen. Erbitten Anordnung der verdachtsunabhängigen Gebäudekontrolle nach Europäischer Strafprozessordnung §103a.“
Prompt bestätigte GUMS die Anfrage und erteilte die Genehmigung.
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A-8007-399-031 und C-0500-878-605 blieben vor dem Haus stehen und versetzten sich in den Überwachungsmodus. Die Hand ruhte am Holster und ihre Sinne verschärften sich auf 120%. Sie nahmen die Situation intensiv wahr und hatten eine deutlich erhöhte Beobachtungsgabe.
Derweil öffnete 032 die Tür mit einem Brecheisen, während 034 mit dem  Nadler auf den Eingang zielte. Auch 033 hatte seine Waffe gezogen.
Die Tür flog auf. Die drei Guardsmen schalteten die Lampen an ihren Nadlern an und betraten nacheinander einen dunklen Flur.
Das erste Zimmer auf der rechten Seite war leer bis auf einen zerbrochen Stuhl und ein niedriges, verstaubtes Regal. 032 leuchtete die Ecken sorgfältig aus, konnte aber nichts weiter entdecken.
In einem Zimmer, das mal eine Küche gewesen sein muß, fanden sie in einem Oberschrank einige Bücher. 034 überflog die Buchrücken:Europa das schwarze EmpireDer FrauenstaatWas tun gegen den Polizeistaat … das klingt wie nicht lizensierte Literatur. Sollen wir das beschlagnahmen?
032 griff danach. „Wenn wir nicht mehr finden, haben wir wenigstens einen guten Grund für die Durchsuchung. Wir können den Haufen Scheiße auch einfach auf der Straße verbrennen. Das schickt wenigstens ein Zeichen an die Bewohner und wir müßen es nicht in die Zentrale zurück tragen.“
Bis auf die unlizensierte Literatur fanden sie im Erdgeschoss nichts Interessantes mehrVorsichtig bewegten sie sich weiter durch das Haus. Mit taktischen Handzeichen ordnete 033 an, über eine Treppe in den Keller vorzurücken. 034 sicherte nach hinten ab, 033 blieb als Truppführer in der Mitte und 032 übernahm mit Brecheisen und schwerem Gerät die SpitzeTrotz der schweren Stiefel bewegten sich die drei Guardsman fast unhörbar durch das scheinbar verlassene Gebäude.
033 bemerkte ein kurzes Knacken in seinem Ohrstöpsel, auch die anderen schienen es wahrgenommen zu haben. Flüsternd tippte er sich ans Ohr: „GUMS, kurzer Statusbericht, bitte.“
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Es rauschte eine Weile, dann hörten alle drei ein leises, verzerrtes Knarzen: „Kei… …mmigkei…, Einsatz kann fo… …rden.“
Von draußen meldete sich daraufhin 031 über den Ohrstöpsel: „Alles kla… …a drin? Hier is… …uhig, … nieman… …nterwegs.“
„Alles in Ordnung“, funkte 033 halblaut zurück. „Wir haben nur ein kleines Problem mit dem Empfang, liegt wohl an den dicken Kellerwänden.“
Stille, keine Antwort über GUMS.
„Was ist, sollen wir weiter?“, drängte 032. Sie hatten den Keller schon fast zur Hälfte durchsucht, er hätte das gerne abgeschlossen.
„Wenn die Verbindung zu GUMS abreißt, ziehen sich die eingesetzten Guardsman geordnet zurück und fordern Verstärkung an“, zitierte 034 das Protokoll.
Außer die Situation erfordert sofortiges Handeln, zitierte 032 weiter.
033 schüttelte lächelnd den Kopf. „Ganz schlau, ihr beiden Rezitierer. Wir kehren um. 
Und draußen wären dann erst einmal 50 Liegestütze oder besser noch Burpees fällig, dachte er sich. Denn laut Protokoll gehörten solche Diskussionen ganz sicher nicht in den Einsatz.
In diesem Moment klapperte es gut hörbar in einem der dunklen Räume weiter hinten. Die drei Guardsman hielten den Atem an und wechselten fragende Blicke. War es eine Ratte, ein Fensterladen im Wind? Oder versteckte sich hier doch noch jemand?
Nach einer Bedenksekunde befahl 033: „Trupp: Kampfmodus, Still.“ Sofort strafften sich die Körper der drei und ihre Aufmerksamkeit für die Umgebung erhöhte sich, die Hände umschlossen die Waffen fester.
GUMS: Sitrep absetzten.“ Damit versucht der Ohrstöpsel mit der gesamten verfügbaren Energie eine Statusmeldung an GUMS abzusetzen.
032 schob sich vorsichtig an die Ecke in der Mitte des Kellerflurs heran und winkte seine Kollegen zu sich. Seinen Nadler trug er im Anschlag. Die Waffe war ein Zeichen der Humanität des Europäischen Unionsstaates. Anstelle von Kugeln verschoss sie kleine Hohlnadeln mit Betäubungsmitteln. Etwaige Gegner wurden also nicht getötet, sondern schliefen schnell ein oder verloren das Bewusstsein. Leider war die Durchschlagskraft niedrig.
Sitrep nicht möglich“, meldete sich 033s Ohrstöpsel zu Wort, „Verbindung zu GUMS gestört.“
034 hatte sich an der Wand gegenüber positioniert und hielt ständigen Blickkontakt. Seine Aufgabe war es, seinen Brüdern den Rücken frei zu halten. Es schien alles okay zu sein und er gab Handzeichen zum weiteren Vorrücken. 
Genau in diesem Moment gab es hellen Lichtblitz und einen dumpfen Knall aus einem der vorderen Räume. Rauch und Staub schienen plötzlich von überall her zu kommen und füllten die Gänge wie Brackwasser. 034 schlug sich die Hand vors Gesicht, um nicht husten zu müssen. Trotz seiner Lampe konnte er kaum mehr etwas sehen. Er hörte, wie 033 zum sofortigen Rückzug aufrief und rannte nahezu blind Richtung Treppe. Seine Augen tränten und er stolperte die Stufen nach oben.
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Als 034 aus dem Gebäude geflüchtet war, holte er erst einmal tief Luft und hustete sich den feinen Staub aus der Lunge. 605 schaute ihn entsetzt an. „Was ist da los, 034? Sofort Meldung erstatten.“
Aber 034 war noch völlig außer Atem. Er drehte sich zum Gebäude um und hielt die offene Haustür im Blick. Dann setzte er mit krächziger Stimme an: „Waren bei der Untersuchung des Gebäudes. Haben verbotene Literatur gefunden, 032 bringt sie mit raus. Dann Keller untersucht, dort Explosion. 033 wird genauer berichten.“
Aus dem Türrahmen schwebte eine Staubwolke. 605 tippte sich ans Ohr: „8007-399033, Situation melden. Wo ist ihr Aufenthaltsort?“
Es blieb einen Moment still.
8007-399032, bitte melden.“
Wieder keine Antwort. Die Staubwolke vor dem Gebäude verflüchtigte sich in aller Ruhe. Es blieb still. So verdächtig still wie schon die ganze Zeit.
605 starrte weiterhin auf den leeren Türrahmen, während er begann, Schlimmes zu befürchten. „GUMS; Lokalisierung von 8007-399-033 und 8007-399032.“
Es vergingen einige Sekunden, bis die Antwort kam: „Derzeit kann zu D-8007-399-033 kein Kontakt hergestellt werden. Derzeit kann zu B-8007-399032 kein Kontakt hergestellt werden. Guardsman nicht lokalisierbar.“
In diesem Moment warf eine Druckwelle die drei Guardsman zu Boden. Kleinere Gesteinsbrocken regneten auf sie herab. Der gewaltige Knall sorgte für ein Klingeln in den Ohren: Eine Explosion.
Noch bevor er wieder auf den Beinen war, funkte 605 die Zentrale an: GUMS: Notruf. Kein Kontakt zu Guardsman 8007-399-033 und 8007-399032Explosion am durchsuchten Objekt. Wahrscheinlich zwei Guardsmen verletzt. Trupp in Gefahr, brauchen Unterstützung.
034 blickte auf. Durch die milchige Staubwolke konnte er die Nachbarstraße sehen. Wo gerade noch ein Haus gestanden hatte, klaffte ein Loch. Das Gebäude war wie bei einer professionellen
Sprengung einfach in sich zusammengeklappt, während beide Nachbarhäuser nahezu unbeschadet herumstanden. Instinktiv wollte 034 zum Schuttberg laufen, anfangen zu graben und seinen Mann aus den Trümmern befreien – wäre es ihm im gleichen Moment nicht als völlig sinnlos erschienen.
System hat Notruf gesendetdrang ihm die vertraute Stimme ins Ohr, „Zentrale hat empfangen, Taktischer Modus.“
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